Under The Hood: UI/UX und QA
Samstag, 11. Juli 2026
Heute nehmen wir Sie mit hinter die Kulissen der Entwicklung des Euro Truck Simulator 2 & American Truck Simulator, um einen weiteren wichtigen Teil des Prozesses beleuchten zu können, der Ihr Erlebnis auf der Straße mitgestaltet. Diesmal richten wir den Fokus auf die Qualitätssicherung (QA) im Bereich UI/UX und deren Rolle bei der Schaffung intuitiver, unterhaltsamer und ausgereifter Benutzeroberflächen für unsere Spieler.
Um Sie durch diesen spannenden Bereich zu führen, möchten wir Ihnen Petr und Jan aus unserem UI/UX-QA-Team vorstellen. Sie nehmen Sie mit durch ihren Arbeitsalltag, erläutern ihre Aufgaben und zeigen, wie sie sicherstellen, dass sich jedes Menü, jeder Button und jede Interaktion genau richtig anfühlt, bevor sie auf Ihrem Bildschirm erscheinen.
Petr – Lead für Console & UI/UX-QA
„Hallo! Ich heiße Petr und arbeite als QA-Lead für die Bereiche Konsole sowie UI/UX. Gemeinsam mit meinen Kollegen habe ich zwei Teams aufgebaut, die heute eine entscheidende Rolle dabei spielen, dass unsere Spiele technisch einwandfrei funktionieren und ein großartiges Nutzererlebnis bieten.
Wir sind für den Euro Truck Simulator 2 und den American Truck Simulator auf allen Plattformen zuständig – dazu gehören der klassische PC, das Steam Deck, VR, PlayStation sowie Xbox Series X/S. Neben den eigentlichen Spielen sind wir auch maßgeblich an der Testphase von Projekten wie Driving Academy, Coaches und Road Trip beteiligt.
Meine Arbeit konzentriert sich vor allem auf Koordination, Planung und die Analyse von Testergebnissen. Ich arbeite eng mit anderen Teams zusammen, um Fehler oder UX-Probleme so früh wie möglich zu erkennen und zu beheben. Mein Ziel ist es, unsere Abläufe so zu gestalten, dass das gesamte Team effizient und konzentriert arbeiten kann – ganz ohne unnötigen Druck im Vorfeld neuer Patch- oder DLC-Veröffentlichungen.
Zudem teste ich aktiv alles, woran mein Team gerade arbeitet. Das Testen macht mir nicht nur großen Spaß, sondern bietet meiner Meinung nach auch einen entscheidenden Vorteil: Durch die direkte Einbindung in den gesamten Prozess kann ich besser erkennen, wo wir uns als Team weiterentwickeln und verbessern können.
Ich stehe meinem Team jederzeit mit Rat und Tat zur Seite, wenn Unsicherheiten oder Fragen aufkommen, und lege großen Wert auf eine positive, freundliche Atmosphäre, in der die Zusammenarbeit allen Freude bereitet.“
Jan – Senior UI/UX-Tester
„Hallo, ich bin Jan und arbeite als Senior UI/UX-Tester mit Schwerpunkt auf Playtesting. Ich bin 31 Jahre alt und seit zwei Jahren bei SCS Software tätig. Ursprünglich habe ich als Junior-Tester ohne spezielle Fachrichtung angefangen, doch nachdem ich mich im Team eingearbeitet und unsere Entwicklungsprozesse kennengelernt hatte, entdeckte ich schnell meine Leidenschaft für User Experience.
Mit der Unterstützung und Anleitung von Petr, der zu diesem Zeitpunkt bereits Senior war, habe ich unseren Playtesting-Prozess mit aufgebaut und verfeinere ihn seither kontinuierlich.“
Was ist UI/UX-QA?
„Bevor ein neues Feature in unsere Spiele integriert wird, durchläuft es einen langen Prozess. Dabei spielt UI/UX (User Interface/User Experience) eine zentrale Rolle. Egal, ob es sich um ein neues Feature oder die Überarbeitung eines bestehenden handelt – alles beginnt mit einer Analyse und dem Austausch zwischen uns (der QA-Abteilung) und dem Game-Design-Team (GD). Bei Überarbeitungen müssen wir zunächst den Ist-Zustand bewerten: Was funktioniert gut, wo sind Änderungen nötig? Sowohl bei neuen Features als auch bei Überarbeitungen müssen wir uns zudem überlegen, welches Ziel wir erreichen wollen. Die Antworten auf diese Fragen bilden dann die Grundlage für alle weiteren Entscheidungen.“
Wie sieht ein typischer UI/UX-Testprozess aus und wie eng arbeiten Sie mit anderen Teams zusammen?
„Grundsätzlich versuchen wir, so früh wie möglich in die Feature-Entwicklung eingebunden zu werden und eng mit dem Game-Design-Team zu kooperieren. So sind wir auch schon in der nächsten Phase des Entwicklungsprozesses dabei und geben Feedback zum Design. Das bedeutet, dass wir uns das Design-Dokument ansehen und versuchen, vorausschauend zu denken. Wir stellen uns Fragen wie: ‚Ist das intuitiv? Ist sofort erkennbar, dass es sich um einen Button handelt? Haben wir etwas übersehen? Wie sieht es mit der Barrierefreiheit aus? Ist der Text auch auf einem kleineren Bildschirm gut lesbar?‘ und vieles mehr. Nach einem gewissen Austausch mit dem Game-Design-Team gelangen wir schließlich zu einem Design, das dann von einem Programmierer umgesetzt werden kann.“
Mit dem ersten spielbaren Prototypen beginnt die Phase, in der wir gewissermaßen zweigleisig fahren müssen. Einerseits gilt es weiterhin, das große Ganze im Blick zu behalten: das Design zu verstehen, zu sehen, wie die einzelnen Elemente ineinandergreifen, und die Hintergründe bestimmter Entscheidungen zu kennen. Andererseits müssen wir das Spiel nun auch aus der Sicht eines Spielers betrachten, der eine bestimmte Funktion zum ersten Mal erlebt. Wir müssen uns in einen Neuling hineinversetzen, der noch nie zuvor ein Videospiel gespielt hat – oder in einen Hardcore-Gamer, der zwar viel Erfahrung mitbringt, aber noch nie einen Truck-Simulator gespielt hat; oder auch in einen echten Lkw-Fahrer, der unsere Spiele während der Ruhepausen auf einem Handheld spielt. Unsere Spiele erreichen ein sehr breites Publikum, und das Design muss für all diese Spielertypen funktionieren und intuitiv verständlich sein.
In dieser Phase identifizieren wir weitere Probleme, schlagen Verbesserungen vor und suchen gemeinsam mit dem Game-Design-Team sowie den für das Feature zuständigen Programmierern nach möglichen Lösungen. Sobald wir mit dem erreichten Stand zufrieden sind, folgt die Validierung im nächsten Schritt.
Ein weiterer wichtiger Meilenstein in der Entwicklung des Features ist das interne Playtesting. Dies ist eine hervorragende Möglichkeit, neue Perspektiven von Mitarbeitern aus verschiedenen Unternehmensbereichen zu gewinnen, die die Designdokumente nicht kennen und idealerweise noch nichts über das Feature wissen. Vor Beginn der Tests legen wir fest, welche Fragen wir beantworten wollen: „Ist dieser Bildschirm intuitiv? Lassen sich alle Zubehörteile gut steuern? Hat die Ergänzung von X zu unnötigen Hürden im Ablauf geführt?“ Auf dieser Grundlage erstellen wir detaillierte Szenarien, die die Testpersonen durchlaufen. Ziel ist es, sie dazu zu bringen, sich mit dem (überarbeiteten) Feature auf eine Weise auseinanderzusetzen, die einen regulären Gameplay-Ablauf simuliert. Anschließend laden wir die Testpersonen in unser Playtest-Labor ein. Dort begleiten wir sie durch die Szenarien, beobachten ihr Verhalten und ihre Reaktionen, machen uns Notizen und stellen Fragen. Zudem setzen wir Eye-Tracking ein; dies liefert uns wertvolle Erkenntnisse darüber, worauf die Spieler ihren Blick richten – also welche Elemente zuerst wahrgenommen werden und welche völlig unbemerkt bleiben.
Nach Abschluss des Playtests füllen die Teilnehmenden einen Fragebogen aus. Dies gibt ihnen die Gelegenheit, sich eingehender mit der Funktion zu befassen, weitere Anmerkungen zu machen und womöglich eigene Ideen zu entwickeln.
Daraus gewinnen wir eine große Menge an Daten, die ausgewertet werden müssen. Hierbei wenden wir Methoden der angewandten Forschung an: Wir beginnen mit der qualitativen Kodierung, gefolgt von einer thematischen Analyse inklusive Häufigkeitsauszählung. Vereinfacht ausgedrückt gehen wir alle Rohdaten – also die Aussagen und beobachteten Verhaltensweisen – durch und ordnen sie verschiedenen Kategorien zu, wobei wir auch erfassen, wie oft sie genannt oder beobachtet wurden. Dies hilft uns, wiederkehrende Muster zu erkennen und diese übergeordneten Themenbereichen oder Problemfeldern zuzuordnen.
Anschließend erstellen wir einen Abschlussbericht, der das Verhalten, die Reaktionen und die Meinungen der Teilnehmenden zusammenfasst, grundlegende Probleme aufzeigt und mögliche Lösungsansätze vorschlägt.
Die weiteren Schritte hängen von den Ergebnissen des Playtests ab. Sollten wir tiefgreifende Probleme feststellen, die umfassende Designänderungen erfordern, müssen wir zur Konzeptionsphase zurückkehren und die vorangegangenen Schritte wiederholen. Dies mündet schließlich in einen weiteren Playtest, um zu überprüfen, ob die Probleme zufriedenstellend gelöst wurden. Ein gutes aktuelles Beispiel hierfür ist die Überarbeitung der Funktion „Zeit überspringen / Ausruhen“ (Skip Time / Rest), bei der zudem die Mechanik der Erschöpfung (Fatigue) in zwei separate Systeme aufgeteilt wurde: Erschöpfung und obligatorische Pause. Während des Playtests stellten wir fest, dass diese neue Aufteilung und deren Darstellung für die Spielenden sehr verwirrend waren. Die Funktion musste daher grundlegend neu gestaltet werden – mit großem Erfolg (zumindest hoffen wir das).
Wenn wir hingegen nur oberflächliche Probleme feststellen, die noch etwas Feinschliff benötigen, kümmert sich die GD-Abteilung darum, und wir können mit der abschließenden Testphase des Features fortfahren.
Bei diesem letzten Testlauf konzentrieren wir uns hauptsächlich auf die FQA (Functional QA) – das Design steht weitgehend fest, und wir stellen nun sicher, dass alles wie vorgesehen funktioniert. Sobald dies abgeschlossen ist, kann das Feature in den Hauptzweig (Main Branch) integriert werden. Dort übernimmt die Abteilung für Integration-QA und prüft, ob das Feature den Zusammenführungsprozess im gewünschten Zustand überstanden hat und keine anderen Funktionen beeinträchtigt wurden – aber das ist ein Thema für ein anderes Kapitel."
Was macht dir an der Arbeit im Bereich UI/UX am meisten Spaß?
Petr: "Was mir am meisten Spaß macht? Das ist eine schwierige Frage. Kurz gesagt: eigentlich alles! Alle in unserem Team sind leidenschaftliche Fans von Spielen unterschiedlichster Art und Genres. Daher ist es unglaublich bereichernd, eigene Ideen und Vorschläge für den Euro Truck Simulator 2 und den American Truck Simulator einbringen zu können.
Bei SCS gehen wir oft unsere eigenen Wege, was die Arbeit besonders reizvoll macht. Gleichzeitig stehen bei jeder Entscheidung unsere Spieler im Mittelpunkt. Bei der Entwicklung neuer Gameplay-Funktionen können Designer leicht in einen sogenannten ‚Tunnelblick‘ verfallen. Unsere Aufgabe ist es, diese Sichtweise zu hinterfragen und eine frische Perspektive einzubringen. Wir denken an unsere erfahrenen Trucker, verlieren dabei aber nie die Spieler aus den Augen, die gerade erst anfangen. Die Benutzeroberfläche des Spiels aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten, ist sowohl ein wesentlicher Bestandteil unserer Arbeit als auch einer ihrer kreativsten Aspekte.
Wir setzen alles daran, unsere Spiele so zugänglich wie möglich zu gestalten und gleichzeitig sicherzustellen, dass der Spielspaß dabei nicht zu kurz kommt."
Jan: "Mir gefällt die Kombination aus technischen und menschlichen Aspekten. User Experience ist im Grunde eine Interaktion zwischen Mensch und Maschine, und man muss dafür sorgen, dass beide einander verstehen.
Das erste Projekt, das ich initiiert und umgesetzt habe, war die visuelle Darstellung der Grafikeinstellungen mittels Screenshots. So konnten Spieler leichter erkennen, welche Auswirkungen ihre Änderungen an der Grafik hatten. Das ist das perfekte Beispiel für das, was ich meine: Mich interessiert sowohl, wie die Dinge ‚unter der Haube‘ funktionieren, als auch, wie der Spieler sie wahrnimmt und versteht."
Welche Botschaft möchtest du unserer Community vermitteln, und wie wertvoll ist das Feedback der Spieler für die Verbesserung des Spielerlebnisses?
„Das Feedback der Spieler ist für uns unglaublich wichtig und eine ständige Inspirationsquelle. Wir freuen uns sehr, dass hier bei SCS immer mehr Initiativen auf der Grundlage eures Feedbacks entstehen. Ich möchte euch versichern, dass wir eure Kommentare, Ideen und Vorschläge wirklich aufmerksam lesen – nicht nur unser UI/UX-Team, sondern das gesamte Studio.
Es ist offensichtlich, wie sehr Ihnen unsere Spiele am Herzen liegen, wenn Sie sich so engagiert einbringen – und uns geht es ganz genauso. Wir lieben den Euro Truck Simulator 2 & den American Truck Simulator und wollen sie immer weiter verbessern. Wir möchten wirklich wissen, was Ihnen gefällt, welche Neuerungen Sie sich wünschen und was Ihre Meinung nach noch optimiert werden könnte. Wir haben bereits eine unglaubliche Menge an Feedback erhalten. Ich wünschte, ihr könntet die umfangreichen Dokumente sehen, in denen wir all eure Ideen und Wünsche sorgfältig sammeln und ordnen.
Leider können wir nicht jeden Vorschlag umsetzen. Dafür kann es viele Gründe geben, die nicht immer sofort offensichtlich sind – etwa Einschränkungen der Engine, begrenzte interne Ressourcen, technische Beschränkungen unserer Spielsysteme, Lizenzvereinbarungen und mehr. Aber bitte: Bleiben Sie weiterhin im Austausch mit uns! Ihr Feedback bleibt nie unbeachtet. Ihnen ist es schließlich zu verdanken, dass wir diesen Weg weitergehen und das Erlebnis gemeinsam immer besser machen können.
Danke an alle, die diesen spannenden Weg gemeinsam mit uns beschreiten!“
Beitrag von Dave, SCS-Software. Übersetzung von Angelwingking







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